Heute findet man sie nicht mehr nur bei jungen, flippigen Leuten, es kann durchaus passieren, dass ein Anzugträger bei großer Hitze seine Jacke ablegt, die Ärmel hochkrempelt und Tattoos zu Tage treten, die an Anschaulichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Früher eine Tätowierung, die auf einen alten Seemann oder einen Vertreter des halbseidenen oder kriminellen Gewerbes schließen ließ, hat sich das Tattoo quer durch alle Gesellschaftsschichten etabliert.

Tätowierungen gab es offenbar zu allen Zeiten und in allen Erdteilen und Völkern, ganz unabhängig voneinander. Der 5000 Jahre alte Ötzi trägt sie, das Alte Testament erwähnt sie, größflächige und auffallende Tattoos trugen die Skythen, ein Reitervolk der Eisenzeit, das im Kaukasus lebte, im Altai-Gebirge waren sie bekannt, in Ägypten, Polynesen und Australien.Schließzylinder

Historisch werden Tätowierungen als Erkennungszeichen, rituelle oder sakrale Symbolformen, Zeichen für Stämme, Abgrenzungen und besondere Zuordnungen, aber auch als sexuelles Stimulans, als Schmuck und politische Äußerung gedeutet. Im Gefängnis wurden damit Rangfolgen und Einordnungen klar gemacht, hier entwickelte sich eine ausgeprägte Symbolik in vielerlei Spielarten, die Kennzeichnungs- und Kommunikationscharakter hatte. Viele Gefangene sahen darin auch ein Zeichen, ihre Würde zu bewahren.

Fatale Bedeutung, die heute noch einen üblen Beigeschmack hinterlässt, hatte es in den NS-Zeiten, als Gefangenen eine Nummer eintätowiert wurde, SS-Mitglieder trugen ein besonderes Erkennungszeichen am linken Oberarm. Das Beispiel der Gefangenen war vergleichbar der Einprägung eines Erkennungscodes, der als Vieh-Brandzeichen im frühen Wilden Westen Einzug hielt.

Auch im religiösen Kontext kommen Tätowierungen häufig vor, vor allem in der Vergangenheit, etwa wenn man bosnische Mädchen im 19. Jahrhundert mit einem Tattoo kennzeichnete, um deren Übertritt in den Islam auszuschließen. In Ägypten grenzen sich noch heute koptische Christen durch ein Kreuz am rechten Handgelenk vom Islam ab. In Japan wurde ein Tattoo im Mittelalter dafür eingesetzt, geächtete Personengruppen wie Prostituierte, Kriminelle oder auch Arbeiter zu kennzeichnen, ein entwürdigendes Verfahren, das Ende des 19. Jahrhunderts verboten wurde.

In der westlichen heutigen Welt sind Tattoos vielfach ein Zeichen der Jugendkultur, zu der auch Piercing und Branding gehören. Ab den 90er Jahre schwappte eine große Welle von Piercingshops über das Land, es galt als trendy und schick, sich mit einem Tattoo von anderen zu unterscheiden. Auch Prominente ließen sich nun gerne mit Tätowierungen sehen, was ihre gesellschaftliche Akzeptanz förderte. Auch wenn es gesellschaftsfähig wurde, eine gewisse Gesundheitsgefahr und ein Infektionsrisiko bleiben. Auch gesundheitsschädigende Farbstoffe sind auf dem Makt. Daher sollte man sich nur seriösen Tätowierern anvertrauen, die man nach Prüfzertifikaten u.ä. fragen kann. Der Vorgang, als solcher, besteht in einer Punktierung der Haut, wobei verschiedene Farbmittel durch die durchstochene Haut einfließen. Meist werden elektrische Tätowiermaschinen verwendet.

Aber auch die sorgfältigste Arbeit kann nicht verhindern, dass ein Tattoo so gut wie unauslöschbar ist – auch wenn viele, die dieses Geschäft betreiben, das Gegenteil versichern. Die Haut vergisst nie – und man sollte bedenken, dass man selbst im Lauf des Lebens einem Wandel unterworfen ist, Symbole und Sprüche, die einem in der Jugend einmal wichtig waren, können an Bedeutung verlieren oder sich ganz ins Gegenteil verkehren. Auch Bio-Tattoos verschwinden nicht. Dann hilft nur noch die Laser-Behandlung, die aufwändig sein kann.

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